Scharfe Kritik an unethischen Organentnahmen in China

von links: Prof. Huige Li, Martin Patzelt (MdB) und Lebin Ding
Deutschland
Aus ethischen Gründen gilt in der Transplantationsmedizin der Grundsatz, dass Organspenden aus freiem Willen erfolgen müssen. Das ist in China nicht so. Ich habe in vielen Gesprächen Beweise eingefordert, mindestens Indizien, damit ein nachdrückliches Aufklärungsversuchen an China gerichtet werden kann.

Auf mein Bestreben hin legte der Experte Prof. Huige Li, Professor für Vaskuläre Pharmakologie an der Universität Mainz, seine Indizien für die illegale Organentnahme an Falun-Gong-Opfern in der Sitzung der AG Menschenrechte der CDU/CSU am 7. Juni 2016 dar.

 
Die Illegale, unfreiwillige Organentnahme an Gefangenen und insbesondere Praktizierenden der Meditationsbewegung Falun Gong wird seit einigen Jahren sowohl in der Ärzteschaft als auch von EU-Abgeordneten und Bundestagsabgeordneten scharf kritisiert. Seit 2013 wird die Aufarbeitung des Missbrauchs bei Organtransplantationen in China inklusive der unverzüglichen Einstellung der Organentnahme an politischen Gefangenen und Angehörigen religiöser und ethnischer Minderheiten wie der Falun-Gong-Bewegung gefordert.
 
Zwar hat China reagiert. Der Leiter des chinesischen Organspende-Komitees, Huang Jiefu, kündigte Ende 2014 an, dass die für Transplantationen benötigten Organe ab dem 1. Januar 2015 nur noch von freiwilligen Spendern stammen dürfen. Aber mit der Umsetzung hapert es. Gerade die Menschen der Falun-Gong-Bewegung werden als Organspender ausgewählt und für den Zweck der Organentnahme auch getötet. 
 
Li zeigte Indizien dafür auf, dass die Behauptung der chinesischen Regierung, dass mehr als 90 Prozent der Organe von hingerichteten Gefangenen stammen, nicht stimmen kann. Die Zahl der Transplantationen (Leber und Niere) im Jahre 2004 belief sich auf 12.000. Die Hinrichtungen werden auf 4.000 geschätzt. Auch wenn ein Mensch eine Leber und zwei Nieren hat, lässt sich die Zahl der Transplantationen nicht durch die Anzahl der Hinrichtungen erklären. Man müsse nämlich davon ausgehen, dass viele Gefangene krank und somit nicht transplantationsfähig seien. 
 
Hinzu komme, dass Organe nicht gelagert werden können. Da Hinrichtungen in China nicht beliebig verschoben werden könnten, könnten diese auch nicht so lange hinausgezögert werden, bis sich ein Empfänger gefunden habe. Vielmehr sei es wohl umgekehrt. Für die Empfänger werde ein zum Tode Verurteilter Spender gefunden. 
 
Li führte weitere Indizien dafür an, dass es sich nicht nur um die Organe von Verstorbenen handeln kann, sondern dass die Planung für eine Transplantation mit Lebenden gemacht wird. Man kann z.B. bei bestimmten Stellen in China wegen einer Organtransplantation nachfragen. Gegen  entsprechende Bezahlung bekommt man einen Termin. Man kann sogar Wünsche äußern, in welchem Lebensalter das Organ sein soll. Dies alles erhärtet den Vorwurf des illegalen, den Tod der Opfer in Kaufnehmenden Organraubs an vielen oft sehr gesunden Falun-Gong-Praktizierenden. 
 
Ich befürworte daher ein gemeinsames Vorgehen des Menschenrechtsausschusses in dieser Sache. Notwendig ist es, die Indizien unzweifelhaft beweisbar zu machen und mit Zeugenaussagen zu festigen. Wir müssen das Thema in der Öffentlichkeit und mit der chinesischen Regierung weiter diskutieren. Ein wichtiger Schritt wäre die Umsetzung der im März 2014 angekündigten Integration der Organe von Gefangenen in das chinesische Organspende- und Verteilungssystem (COTRS). Damit würden auch Gefangene wie andere Bürger als freiwillige Organspender behandelt. Das illegale Geschäft mit den Organen könnte sich bald erledigen. Auch werde ich einen Brief an den chinesischen Präsidenten Xi Jinping schreiben.
 
Martin Patzelt, MdB Deutschland
19. März 2017

Martin Patzelt

Recht und Politik

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