Zeugenbericht von Frau Liu Wei

Frau Liu Wei, Folteropfer, Frauenarbeitslager Peking, China, lebt heute in Deutschland

Die Geschichte meiner Verfolgung in China

Mein Name ist LIU Wei. Ich bin 1972 in der Stadt Benxi, Provinz Liaoning, in China geboren. Im März 2004 kam ich zum Studium nach Deutschland. Seit 1995 praktiziere ich Falun Gong. Vom 25. Sept. 2001 – 25. Jan. 2003 wurde ich aufgrund des Praktizierens von Falun Gong nacheinander im Untersuchungsgefängnis des Bezirks Dongcheng der Stadt Peking, der Verteilungsstelle für zu Arbeitslager verurteilte Gefangene und im Peking Frauenarbeitslager eingesperrt. Im Folgenden sind meine Erlebnisse in diesen Strafanstalten, insbesondere im Arbeitslager.

Im Untersuchungsgefängnis

Im September 2001 arbeitete ich schon seit einiger Zeit in einer deutschen Firma in Peking. Dort wurde am 24.September 2001 Infomaterial über die Verfolgung von Falun Gong, das ich aus Versehen im Büro liegen ließ, von einer chinesischen Arbeitskollegin gesehen, die aufgrund der Hetzpropaganda der chinesischen Regierung gegen Falun Gong eingestellt war und wegen des gefundenen Falun Gong-Materials im Büro große Angst bekam. Sie berichtete das dem Sicherheitspersonal des Hotels, in dem unser Büro lag, und das Sicherheitspersonal zeigte es dann bei der Polizei an. Die Polizei untersuchte zuerst jeden Mitarbeiter unseres Büros und kam zum Schluss darauf, dass ich derjenige war, dem das Material gehörte. Am 25.September 2001 verhörten mich etwa ein Dutzend Polizisten in meinem Büro. Am Abend desselben Tages wurden etwa 20-30 Polizisten eingesetzt, um meine Wohnung zu durchsuchen. Meine Wohnung wurde von ihnen auf den Kopf gestellt, alle meine Bücher von Falun Gong haben sie konfisziert. Ohne sich auszuweisen, haben sie mich ins Untersuchungsgefängnis des Bezirks Dongcheng gesperrt.

Während der 43 Tage im Untersuchungsgefängnis wurde ich ebenso wie andere dort eingesperrte Falun Gong-Praktizierende unmenschlich behandelt. Wir wurden jeden Tag gezwungen, auf dem Bettbrett kerzengerade zu sitzen und die Gefängnisvorschriften auswendig zu lernen. Wir erhielten nur zwei Malzeiten pro Tag; im Gemüse befanden sich oft Würmer, und wir wurden oft nicht satt. Nachts war es nur möglich, auf der Seite zu schlafen, weil wir zu viele waren. In der Zelle gab es Überwachungsgeräte, die alle Ecken der Zelle abdeckten. Auch die Toilette war so überwacht. Als ich die Mitteilung bekam, dass ich ohne jegliche Gerichtsverfahren zu 18 Monaten Arbeitslager verurteilt wurde, lehnte ich ab, das Urteil mit meiner Unterschrift zu akzeptieren und forderte die administrative Überprüfung des Urteils. Trotzdem wurde ich am nächsten Tag, morgens um 5 Uhr, zu der Verteilungsstelle für Gefangene, die zu Arbeitslager verurteilt sind, gebracht.

Während ich im Untersuchungsgefängnis Dongcheng, Peking, eingesperrt gewesen war, wurden dort über Hunderte von Falun Gong-Praktizierende gezwungen, sich einer  körperlichen Untersuchung zu unterziehen. Zu diesem Anlass wurden viel medizinisches Personal und technische Geräte ins Untersuchungsgefängnis Dongcheng geschickt. Niemand erklärte uns, warum wir körperlich untersucht werden mussten. Uns wurde der Blutdruck gemessen und Blut entnommen, um die Blutgruppe und den Zustand der inneren Organe zu untersuchen. Unser Herz wurde durch Urtraschall untersucht. Der Arzt hatte uns auch gefragt, ob wir Erbkrankheit hatten. Merkwürdig war aber, dass wir selbst keine Benachrichtigung über den Befund erhielten und keinerlei ärztliche Behandlung bekamen. Während meiner 16monatigen Verhaftung wurde ich durch verschiedenen Geräte z.B. Röntgen, Urtraschall, usw. 5 Male körperlich untersucht, von Augen bis zur Füße, von der Haut bis zur innen Organen.

Wir stellten uns die Frage, warum die Untersuchung nur an Falun Gong-Praktizierenden vorgenommen wurde und nicht an anderen Gefangenen. Wir konnten nicht glauben, dass diese Untersuchung etwa zur Ermittlung unseres Gesundheitszustandes gedacht war, denn wir wurden doch jeden Tag körperlich und seelisch gefoltert und misshandelt.

Als Herr Matas und Herr Kilgour im Juli 2006 nach Untersuchungen in einem international Aufsehen erregenden Bericht bestätigten, dass es in China den Organraub an lebenden Falun Gong-Praktizierenden seitens der Kommunistischen Partei Chinas tatsächlich gibt und gab, wurde mir sofort das Ziel der medizinischen Untersuchungen im Umerziehungslager klar: die körperliche Untersuchung war als Vorbereitungsmaßnahme für eine mögliche zukünftige Organentnahme gedacht. Somit bemerkte ich erst, dass ich damals beinahe selbst ein Opfer dieser Praxis geworden wäre, wenn eines meiner Organe zu jenem Zeitpunkt gerade für einen Patienten geeignet gewesen wäre.

Im Untersuchungsgefängnis Bezirk Dongcheng haben meiste Falun Gong-Praktizierende ihren Namen und Wohnort nicht angegeben, weil sie verhindern wollten, dass ihren Verwandten und den Kollegen am Arbeitsplatz Schwierigkeiten entstehen würden. Wenn solche Praktizierenden verschwunden wären, hätte sie niemand gesucht, deswegen waren sie ideal für eine lebende „Organbank auf Abruf“ geeignet.

In der Verteilungsstelle

Die Verteilungsstelle ist eine Zwischenstation. Jeden Monat wurden von dort über 20 Falun Gong-Praktizierende ins Arbeitslager zur Umerziehung verlegt. Da es in Arbeitslagern bereits viele Falun Gong Praktizierende gab, hatte das Personal dort Schwierigkeiten, so viele Menschen umzuerziehen. So mussten Falun Gong Praktizierende, die zu Arbeitslager verurteilt waren, zuerst in der Verteilungsstelle bleiben. Diese Sammel- und Verteilungsstelle wurde für mehrere Dutzende Millionen Yuan neu gebaut. Sie ist mit vielen modernen Überwachungsgeräten ausgestattet.

Von den drei Malzeiten abgesehen bekam man dort jeden Tag nur 150 ml Trinkwasser, und man durfte täglich nur dreimal auf die Toilette gehen, jeweils max. 2-3 Minuten. Wenn man darüber hinaus noch Notdurft hatte, musste man bei der diensthabenden Polizei um Erlaubnis bitten. Da es nicht jedes Mal zugelassen wurde, litten viele an Verstopfung. Beim Gehen durften wir uns nicht umschauen, sondern mussten den Kopf senken und die Hände zusammenfalten. Nachts war die Tür der Zelle abgeschlossen. Wenn man nachts Notdurft hatte, sollte man es mit der eigenen Waschschüssel erledigen. Eine Woche lang durfte man nicht die Wäsche wechseln oder die Haare waschen, geschweige denn duschen. Meine Haare rochen deswegen sehr schlecht.

Die Verteilungsstelle hatte nicht die Aufgabe, Falun Gong-Praktizierende umzuerziehen. Stattdessen wurden wir zu diversen Sklavenarbeiten gezwungen. Wir sollten z.B. ein kleines Zettelchen „bereits desinfiziert“ auf Einweg-Essstäbchen kleben. In Wirklichkeit waren die Stäbchen sehr schmutzig, überhaupt nicht desinfiziert. Wir arbeiteten täglich oft 14-15 Stunden lang, manchmal bis zu 18 Stunden. Zuweilen gab es keine Arbeit, dann wurden wir gezwungen, Vorschriften auswendig zu lernen oder wir mussten sogenannte Lieder über Umerziehung lernen. Wenn man sich weigerte, wurde man zur Strafe gezwungen, lange Zeit zu stehen. Außerdem wurden uns Fernsehberichte abgespielt, die Falun Gong verleumdeten. Nach dem Anschauen sollten wir darüber unsere „Erkenntnis“ aufschreiben. Als ich einmal die Bettdecke faltete, kreuzte ich einmal zufällig meine Beine übereinander. Die Polizei dachte jedoch, dass ich im Begriff war, die Meditationsübung von Falun Gong zu machen, und wollte gleich mit einem Elektrostock auf mich einschlagen. Ich erklärte ihm, dass ich nicht die Übung machen wollte. So ließ er erst seinen Elektrostock herunter.

An der Verteilungsstelle sah ich seit meiner Festnahme zum ersten Mal meine Angehörigen. Meine Eltern waren von der Situation seelisch sehr mitgenommen. Um mich einmal sehen bzw. meine Situation in der Gefangenschaft hoffentlich erleichtern zu  können, gaben sie durch Beziehung auf Verlangen einigen Polizisten 70 000 Yuan, ihre gesamten  Ersparnisse. Mein Mann kündigte bei seiner Firma und kam von der Heimatstadt nach Peking, um nach mir zu suchen. Er befürchtete, dass ich von der Polizei zu Tode gefoltert würde. Er hatte dadurch kein Einkommen mehr.

Gehirnwäsche und Umerziehung im Frauenarbeitslager Peking

Anfang Januar 2002 wurde ich in die 4. Brigade des Frauenarbeitslagers Peking gebracht. Gleich am ersten Tag versuchten einige bereits umerzogene ehemalige Falun Gong Praktizierende, mich umzuerziehen. Ich wurde gezwungen, stundenlang auf einem sehr niedrigen und schmalen Hocker zu sitzen und durfte mich nicht bewegen. Ich sollte den Leuten zuhören. Sie wechselten sich in Schichten ab, um mit mir zu reden. Das war nervlich kaum auszuhalten. Was sie da erzählten, machte überhaupt keinen Sinn. Sie erzählten z.B., der Meister hätte gesagt, Praktizierende von Falun Gong sollten sich an das staatliche Gesetz halten; nun sei Falun Gong von der Regierung verboten, dann solle man das auch akzeptieren. So widerlegte ich ihre absurden Argumente. Als nachts alle anderen Gefangenen schon schliefen, versuchte man immer noch, mich und einige andere Praktizierende, die neu hinzugekommen waren, im Flur oder Wasserversorgungsraum umzuerziehen. Polizisten patrouillierten im Flur mit Elektrostöcken.

Da ich vorhin in der Verteilungsstelle mehrere Monate lang schwerer körperlicher Arbeit ausgesetzt war, nicht genug geschlafen hatte und die Übungen von Falun Gong nicht machen konnte, war mein Gesundheitszustand zusehends verschlechtert. Ich war sehr abgemagert. An dem Tag war ich deswegen bis nachts 12 Uhr schon sehr sehr müde. Ich fühlte mich sehr unruhig und seelisch ging es mir gar nicht gut. Die Leute, die mich umzuerziehen versuchten, wollten mich aber nicht einfach so davonkommen lassen. Sie rüttelten mich immer wieder wach.

Ich saß die ganze Zeit über auf dem kleinen Hocker ohne mich bewegen oder aufstehen zu dürfen. Nach einiger Zeit waren meine Gedanken nicht mehr klar, mein Herz fühlte sich wie zusammengezogen, als ob es jederzeit meinen Körper verlassen würde. Ich musste stark atmen, vor Schwäche schwitzte ich. Da ich mich sehr unwohl fühlte, schloss ich die Augen. Jedes Mal wurde ich umgehend wieder von den Leuten wach gerüttelt. Ich wünschte mir nur Ruhe, auch wenn es nur eine Minute wäre. Ich konnte ihren Unsinn nicht mehr hören. Sie lösten sich aber ab und redeten weiter. Ich hatte nicht einmal eine Minute Ruhe für mich. Ich hatte das Gefühl, ich würde gleich zusammenbrechen. Es war noch schlimmer als zu sterben! Dann war es schon nachts zwei Uhr. Ich wusste nicht, wie lange ich es noch aushalten würde. Um einen Moment Ruhe haben zu können, habe ich ganz benommen die „zwei Erklärungen“ unterschrieben, dass ich die Arbeitslagervorschriften und das staatliche Gesetz befolgen würde. Diese zwei Erklärungen dienten als Grundlage für die spätere Umerziehung. Ich war kaum in Schlaf weggesackt, schon wurde ich wieder geweckt. Wie in Nebel musste ich wieder einen ganzen Tag lang auf dem kleinen Hocker sitzen. Die Leute wechselten sich wieder in Schichten ab und redeten ununterbrochen auf mich ein. Es ging mir noch schlechter als am vorhergehenden Tag. Mir war nur noch schwindlig. Ich konnte kaum noch unterscheiden, was richtig ist und was nicht. Mein Körper war sehr schwach. Die intensive Gehirnwäsche der KP ging über das hinaus, was ich ertragen konnte. Entgegen  meinem Gewissen unterschrieb ich die dritte Erklärung: Verzicht auf Falun Gong.

Sie ließen mich jedoch trotz der „drei Erklärungen“ nicht einfach in Ruhe. Sie hatten Bedenken, dass ich noch nicht gründlich umerzogen wäre, so wurden immer noch täglich zwei Gruppen von Leuten für meine Umerziehung eingesetzt. Zwei Leute wurden extra abgeordnet, um mit mir zusammen eine sogenannte „Gruppe für gegenseitige Hilfe“ zu bilden. In Wirklichkeit war das keine gegenseitige Hilfe, sondern sie überwachten mich. Als mein Kopf später wieder klar wurde, erkannte ich, dass es falsch war, mich umerziehen lassen zu haben. Sie merkten, dass ich nicht stabil war. Deswegen wurde ich während des gesamten ersten Monats der Gehirnwäsche unterzogen. Zu jener Zeit setzte das Arbeitslager Leute ein, um die Umerziehungsarbeit an der „Qualität“ zu prüfen. Als man feststellte, dass ich nicht wirklich umerzogen war, wurde die Leitung der Brigade aufgefordert, mich noch intensiver umzuerziehen. Ich wurde gezwungen, über hundert Mal diverse Videofilme anzuschauen, die Falun Gong verleumden.

Um den Maßstab einer erfolgreichen Umerziehung zu erfüllen, reicht es nicht, die Verzichtserklärung zu unterschreiben. Man sollte noch möglichst viel Schlechtes über Falun Gong und dessen Gründer sagen. Man sollte sagen, wie bösartig Falun Gong sei und wie dessen Gründer Menschen betrogen hätte. Je schlechter man über Falun Gong redet, desto leichter ist dir Art der Behandlung. Unter Zwang habe ich einen Text von mehreren tausend Wörtern geschrieben und ihn vor laufender Kamera vorgelesen.

Durch die andauernde psychischen Folter wurde ich zuletzt gezwungen, auf meinen Glauben und mein Gewissen zu verzichten. Ich lebte in extremer Angst. Jeden Moment fürchtete ich, dass die Polizei entdecken würde, dass ich noch nicht wirklich umerzogen war und dass ich deswegen erneut der Gehirnwäsche unterzogen werden könnte. Alle Falun Gong Praktizierenden in dem Umerziehungslager und in den Gefängnissen haben nur zwei Wege: Körperliche Todesstrafe – wenn man mit edler Seele am Glauben an „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht“ festhält, oder geistige Todesstrafe – intuitive Erkenntnis verkaufen, unwürdig vegetieren. Ich wurde meiner Menschenwürde durch psychologische Folter beraubt, meinem Körper wurde Gewalt aufgezwungen, deshalb wollte ich mich selbst vernichten. Das endgültige Ziel der Verfolgung durch die Chinesische Kommunistische Partei liegt darin, dass die Menschen Teufel werden – alle umgezogenen Falun Gong Praktizierenden müssen der Chinesischen Kommunistischen Partei für die Rettung (nach der Verfolgung) danken und müssen darüber hinaus noch den Polizisten helfen, die noch nicht Umerzogenen zu schlagen und zu betrügen. Um zu überprüfen, ob ich wirklich „vom Herzen her“ umerzogen war, zwang mich die Polizei, andere Falun Gong-Praktizierende umzuerziehen. Ich wurde von jemandem, der sich nach „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht“ orientieren und ein guter Mensch sein wollte, umerzogen zu einem Menschen, der andere beschimpft und schlägt. Unter der Angst und dem großem Druck war ich völlig zusammengebrochen, meine Seele war total verdreht. Ich lebte zwar, aber ich wollte lieber sterben. An diesem Punkt sagte ich zu mir, ich bin tot, ich bin tot, tot…… In der Nacht weinte ich heimlich. Ich bin jetzt zwar in Deutschland, habe aber oft von meiner Folter in China geträumt.

Neben der Gehirnwäsche wurde ich immer noch zur Sklavenarbeit gezwungen. Wir strickten von Hand Pullover für kleine Unternehmen. Alle drei Tage sollte man einen Pullover und an einem Tag zweiundeinhalb Paare Handschuhe gestrickt haben. Diese Produkte wurden dann ins Ausland exportiert. Ich hatte zuvor noch nie gestrickt. Meine Hände bekamen vom Reiben mit den Stricknadeln Blutblasen, ich musste aber trotzdem weiter arbeiten. Manchmal sollten wir mit einer Pinzette Fusseln von Pullovern mit schlechter Qualität entfernen, damit die Pullover gut aussehen und als gute Produkte ins Ausland exportiert werden konnten. Für solche Verfälschungsarbeit mussten wir jeden Tag bis nachts um 12 Uhr arbeiten und am nächsten Tag morgens um vier Uhr wieder aufstehen.

Zu meiner Zeit gab es im Peking Frauenarbeitslager sieben Brigaden. In sechs Brigaden befanden sich Falun Gong-Praktizierende. Die 4. Brigade, in der ich war, bestand aus  etwas mehr als 120 Gefangenen. Davon waren 80 Prozent Falun Gong-Praktizierende. Bei den anderen fünf Brigaden, in denen es auch Falun Gong-Praktizierende gab, war die Situation etwa gleich. Das heißt also, dass mehr als 70 Prozent aller Gefangenen in dem Arbeitslager Falun Gong-Praktizierende waren. Unter ihnen gab es Hochschuldozenten, Beamte, Ärzte, Arbeiter, Bauern, Angestellte, Wissenschaftler und auch einen Studenten, der extra aus dem Ausland nach China gekommen war, um sich für Falun Gong einzusetzen. Von einer erfuhr ich z.B., dass ihre dreiköpfige Familie alle eingesperrt wurde und von einer anderen hörte ich, dass 5-6 Familienmitglieder in ihrer großen Familie eingesperrt wurden, alles nur weil sie Falun Gong praktizieren. In manchen Familien wurde alle Angehörige verhaftet bis hin zu minderjährigen Kindern. Die älteste Praktizierende, die ich im Arbeitslager gesehen habe, war 74 Jahre alt. Sie war nach erlittener Folter halbseitig gelähmt. Die jüngste Praktizierende, die ich dort kennen gelernt habe, war 18 Jahre alt. Sie hatte an der Verteilerstelle „Falun Dafa ist gut“ gerufen und  wurde darum so schlimm gefoltert, dass sie geistesgestört zurückblieb. Das Durchschnittsalter der Falun Gong-Praktizierenden in diesem Lager lag bei rund 40 Jahren. Auch manche Polizisten sagten: „Es wurden bei uns noch nie so viele gutherzige Menschen eingesperrt, die so alt sind.“

Verfolgung auch in ausländische Unternehmen ausgedehnt

Nach der Freilassung arbeitete ich wieder bei der oben genannten deutschen Firma (GTZ – Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit). Der Zuständige des chinesischen Partners (Finanz- und Wirtschaftsausschuss des chinesischen Volkskongresses), bei dem ich damals vor meiner Verhaftung im Zusammenhang mit einem Projekt beschäftigt war, hat meinem deutschen Leiter von der GTZ erklärt, dass ein Falun Gong-Praktizierender in einer deutschen Firma nicht arbeiten dürfe. Andernfalls müsse unser Büro, durch das die deutsche Regierung über 1 Mio. Euro an  Entwicklungshilfe nach China investierte, schließen. Dies war ein eindeutiger Verstoß gegen das chinesische Gesetz und eine offensichtliche Einmischung in die Entscheidungen einer ausländischen Firma. Der chinesische Volkskongress ist ein gesetzgebendes Organ. Der Beamte scheute sich jedoch nicht zu drohen, einem Bürger das Recht auf Arbeit zu entziehen. Ich wurde in dieser Situation zu jeder Zeit von meinen chinesischen und deutschen Kollegen überwacht. Unter Zwang habe ich in der Firma eine Erklärung unterschrieben, die besagte, dass ich im Büro nie etwas im Zusammenhang mit Falun Gong sagen oder tun würde; wenn ich dagegen verstieße, würde ich entlassen werden. Obwohl ich vom Arbeitslager freigelassen wurde, sperrte man mich wieder in ein anderes Gefängnis ein, das heißt, in China ist die ganze Gesellschaft wie ein großes Gefängnis für alle Bürger. Ich weiß nicht, was ausländische Firmen in China unternehmen können, wenn ein hochrangiger chinesischer Beamter so handelt.

Die Verfolgung, vor allem der Organraub an Falun Gong-Praktizierenden, wird von dem chinesischen kommunistische Regime versteckt. Das ist jetzt nicht mehr nur eine chinesische Sache, das ist eine Frage der menschlichen Moral und menschlichen Ethik, eine Form der Zerstörung und Vernichtung jeglicher menschlicher Moral auf der Welt.

Ich appelliere hiermit dringend von ganzem Herzen an die deutschen  Firmen in China:

Bitte versuchen Sie nicht, aufgrund jetziger kleiner Interessen die Diktatur des chinesischen kommunistischen Regimes zu versehen und die Verfolgung finanziell zu unterstützen!

Ich appelliere hiermit dringend an die deutsche Regierung:

Bitte helfen Sie mit, die Menschenleben in China zu retten und diese absurde und unbegründete Verfolgung an Falun Gong sofort zu beenden!

Vielen Dank, Liu Wei

Quelle: 1. Int. Expertenforum Transplantation und Menschenrechte der IGFM in Bern

16. April 2015

Liu Wei

1. Int. Forum: Reden der Referenten

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