Herz auf Bestellung

In China werden Hingerichteten Organe entnommen – und gegen Bezahlung offenbar auch Patienten aus dem Westen implantiert

In China werDie Zeitden Hingerichteten Organe entnommen – und gegen Bezahlung offenbar auch Patienten aus dem Westen implantiert.

Als der Rechtsanwalt Han Bing aus Peking am 6. Dezember 2012 seinen neuesten Blog-Beitrag veröffentlicht, muss er wissen, dass er sich in große Gefahr begibt. Seine Nachricht verbreitet sich in Windeseile über den chinesischen Kurznachrichtendienst Sina Weibo:

“An diesem Morgen”, berichtet Han, “hat es eine schreckliche Hinrichtung gegeben.”

Ein zum Tode verurteilter Gefangener sei exekutiert worden, obwohl das oberste chinesische Gericht wenige Tage zuvor angeordnet hatte, den Fall neu zu prüfen. So lange aber mochten die Verantwortlichen offenbar nicht warten. Die Organe des Gefangenen wurden gebraucht, und zwar in möglichst gutem Zustand. Nur so ist zu erklären, warum die Hinrichtung in einer Klinik stattfand, wie der Anwalt berichtet.

“Diese gewissenlosen Richter und Ärzte verwandeln ein Krankenhaus in eine Hinrichtungsstätte, in einen Marktplatz für Organhandel”, schreibt Han.

Dem Anwalt zufolge hat man den Todeskandidaten gezwungen, ein Papier zu unterschreiben, mit dem er der Organentnahme “freiwillig” zugestimmt habe. Die Familie habe sich nicht von ihm verabschieden können, obwohl ihr dieses Recht zustand. “Wir werden dagegen vorgehen”, kündigt der Anwalt im Auftrag der Hinterbliebenen an.

Zum Zeit-Artikel: Herz auf Bestellung

Quelle: Die Zeit

7. März 2013

Martina Keller

Medienspiegel, Zeitungen und Magazine

, , ,