Organkriminalität in China

Der Erfolg der Transplantationsmedizin wird von einem drastischen Anstieg der Nachfrage nach menschlichen Organen begleitet, welche das Angebot gespendeter Organe übersteigt, was wiederum zu einer prekären Zunahme von Transplantationstourismus und Organhandel führt.

“Es gibt ohne Zweifel einen boomenden Schwarzmarkt und einen menschenfeindlichen, gegen Grundgesetz und Menschenrechte verstossenden Handel mit Organen. Es geht um Geld – viel Geld.”

Gerd Scobels

Fokus Transplantationen in China

China begann in den 60er Jahren Organtransplantationen durchzuführen, jedoch erst im Jahr 2010 wird ein Pilot-Organspende-System eingeführt. Das von 2010 bis 2013 jedoch kaum Spenden einbrachte.

Man müsste annehmen, dass ohne Spendersystem die Wartezeiten auf ein Organ vor 2013 sehr lange gewesen sein müssten. Doch dem ist nicht so:

Viele Institute für Organtransplantationen gaben auf ihren Webseiten eine konkrete Wartezeit auf ein Organ an. So auch das Institut der Volksbefreiungsarmee für Organtransplantationen. Manche boten Organe per Formular an:

Das Changzheng Universitätskrankenhaus des Militärs in Shanghai gab für Lebern die Wartezeit mit durchschnittlich „一周" „einer Woche" an.  (Screenshot des Bestellformulars für eine Leber-Transplantation: 2005-02-10)

Das Changzheng Universitätskrankenhaus des Militärs in Shanghai gab für Lebern die Wartezeit mit durchschnittlich „一周” „einer Woche” an.
(Screenshot des Bestellformulars für eine Leber-Transplantation: 2005-02-10)

 

Die Wartezeit von einer Woche lässt vermuten: Im Jahr 2005 wurden die Spender ausgesucht

Auswahl

Auswahl

Die kurzen Wartezeiten und der Boom in ganz China Transplantationsabteilungen und Zentren zu bauen, lässt darauf schliessen, dass die chinesische Transplantationsindustrie auch längerfristig nicht mit einer Organknappheit rechnet.

Die offiziellen Begründungen, woher die Organe stammen, können nicht verifiziert werden.

Das Liver Transplant Registry, www.cltr.org, des Queen Mary Hospital, der Universität von Hong Kong,  war öffentlich zugänglich, bis die Zahlen von Rechercheuren im Ausland zitiert wurden. Dann wurde es für die Öffentlichkeit geschlossen.

David Matas, Menschenrechtsanwalt und Mitbegründer der Koalition “End Organ Pillaging” fragte den damaligen Leiter des Liver Transplant Registry, warum es geschlossen wurde. Die Antwort war:

“Wir mochten die Art und Weise nicht, wie die Zahlen verwendet wurden.”

Zitat stammt aus der Rede von David Matas in Bern. Siehe hier.

Transplantation und Menschenrechte

Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass die in den WHO-Richtlinien geforderte Transparenz, Nachverfolgbarkeit, Fairness und vor allem die Freiwilligkeit bei Organtransplantationen in China nicht nachgewiesen oder verifiziert werden können.

Es liegt bei den chinesischen Behörden eine über jeden Zweifel erhabene Transparenz und Nachverfolgbarkeit über die Quelle der in der Transplantationsmedizin verwendeten Organe zu etablieren.

Solange diese Transparenz und Nachverfolgbarkeit nicht hergestellt ist, werden wir informieren und sensibilisieren, in dem wir

  • Kampagnen und Aktionen durchführen
  • Expertenforen organisieren
  • diese Web-Informationsplattform betreiben
  • Fachvorträge halten
  • Netzwerkarbeit betreiben

Transplantation und Menschenrechte finanziert sich über Gelder der öffentlichen Hand und Spenden. Helfen Sie uns für Transparenz und Ethik in der Transplantationsmedizin einzustehen und die Organkriminalität zu beenden.

Vielen Dank

 

 

20. Januar 2015